LEG Thüringen

Historie

1872 bis 1945

(1) Bahnhofsplatz mit dem Erfurter Hof 1913

Die historischen Wurzeln des Gebäudes gehen zurück bis in das Jahr 1872. Aus diesem Jahr datiert die erste Erwähnung eines Ensembles "Erfurter Hof", gelegen am "Bahnhofsplatz 1-3". In den Jahren 1904/05 erfolgte der Neubau des heute bekannten prächtigen Hotelgebäudes nach den Plänen des Architekten Otto March. Es wurde zunächst von einer GmbH betrieben. Diese stellte den damals 38 Jahre alten Hotelier Georg Kossenhaschen als Geschäfts-führer ein, der ein Jahr darauf das Hotel erwarb.

(2) Bahnhofsvorplatz mit den Hotels Erfurter Hof und Kossenhaschen um 1916
(3) Umbau 1923 von der Bierschänke zum Palastkaffee im Erfurter Hof

1914 bis 1916 ließ Kossenhaschen direkt neben dem "Erfurter Hof" das Gebäude errichten, das später den Namen "Haus Kossenhaschen" trug - und damit auf viele Jahre vom Ruhme seines Erbauers kündete und heute wieder kündet. Unter dem Architekten Arthur Hügel entstand das Haus, das noch heute einen wesentlichen Teil des Gebäudekomplexes "Erfurter Hof" bildet. Beide Hotels standen unter einheitlicher Führung. 180 Angestellte sorgten sich um das Wohl der Gäste.

Zeitgleich erfolgten bereits die ersten Umbauarbeiten am "Erfurter Hof". Die Umbauten betrafen die gastronomischen Bereiche: das Weinrestaurant Bodega, der Winzerkeller und die Konditorei erhielten ein neues Gepräge. 1923, im Jahr der Ruhrbesetzung und der Hyperinflation, ließ Kossenhaschen das legendäre Palast-Cafe ins Leben treten: Er baute in diesem Jahr die bisherige Bierschänke zu diesem mondänen Cafe um und versah damit sein Haus mit einer Attraktion, deren Name bis heute positive Erinnerungen bei den Erfurtern weckt. 1931 starb Kossenhaschen. Seine Witwe führte das Hotel zunächst allein, später zusammen mit ihrem Ehemann Albert Schäfermeier weiter. Im Jahr 1939 bauten sie das Palast-Café um. Das Gebäudeensemble überstand den Zweiten Weltkrieg unbeschadet.

(4) Haus Kossenhaschen um 1916
(5) Haus Kossenhaschen um 1916
(6) Haus Kossenhaschen um 1916

1946 bis 1964

1948 war die Geburtsstunde des Namens "Erfurter Hof" für das gesamte Gebäudeensemble, für beide Hotels. In diesem Jahr erfolgte auch die endgültige Enteignung der privaten Eigentümer, und in den folgenden vier Jahren war der "Erfurter Hof" ein Landeseigener Betrieb. 1952 war die Handelsorganisation (HO) der Eigentümer und Betreiber des "Erfurter Hofes". Jetzt setzte eine neue Phase reger Bautätigkeit ein: Den Beginn machten 1954 Arbeiten am zur Bahnhofstraße ausgerichteten Westflügel. Hier erfolgte der Einbau der Arkaden. Die Konditorei an der Westecke erhielt einen neuen Grundriss und wurde mit Rundbogenfenstern versehen. Teile der Fassaden hin zur Bahnhofstraße und zum Bahnhofsvorplatz wurden erneuert. Im Zuge eines Umbaus des Daches wurden die Türme und der Giebel über dem Erker zum Bahnhofsvorplatz abgebrochen.

(7) Festsaal 1958

1955 erfolgte der Einbau von Büroräumen über dem Restaurant im Ostflügel; oberhalb des Palast-Cafés richtete man Garderoben ein; entlang der Nordfassade wurde die Werkküche eingerichtet und ausgebaut; Winzerkeller und Konditorei erhielten neue Eingänge. Zum Ende des Jahrzehnts wurde der Eingangsbereich des ursprünglichen "Hauses Kossenhaschen" komplett umgestaltet; das Entree des Ensembles erfuhr eine Anpassung angesichts der zunehmenden Gäste- und Besucherströme, die das Haus anzog.

Es erfolgte eine Verbreiterung des Portals, und ein auskragendes Vordach gab dem Eingang ein stilvolles Gepräge. In dieser Zeit erhielt auch der ursprüngliche Gebäudeteil "Haus Kossenhaschen" die Natursteinverkleidung, welche diesem Flügel ein ganz besonderes Gepräge verlieh. An der Ecke zur Bahnhofstraße hin wurde um 1960 die Mokka-Bar eingerichtet. Um die Einheit des Gebäudeensembles aufrecht zu erhalten, erneuerten die Verantwortlichen zudem 1963 die wichtige Verbindungstreppe zwischen dem früheren "Haus Kossenhaschen" und dem Restaurant "Pilsen" im Gebäudeteil "Erfurter Hof".

1965 bis 1995

1965 gehörte der Erfurter Hof zu den 12 DDR-Hotels, die den Gründungsbestand von "Interhotel" bildeten. Dies war Ehre und Verpflichtung zugleich: Die erlesenen Häuser waren gehalten, ihren Standard stets zu verbessern. Von der Gewinnabführung befreit, oblag es ihnen, Überschüsse dafür zu verwenden, ihre Ausstattung zu modernisieren. So startete 1966 ein großer Umbau, indem Arbeiter den Innenbereich des Gebäudeteils des früheren "Erfurter Hofes" grundlegend sanierten. Alle Zimmer wurden mit Bad ausgestattet. Im Gebäudeteil des "Hauses Kossenhaschen" wich der anachronistische Festsaal; an seine Stelle trat ein moderner Bettenhaustrakt als Verlängerung des bestehenden Nordflügels. Die Fassade dieses Flügels wurde im Zuge der Arbeiten bereinigt. Der Verbindung der historischen Gebäudeteile diente auch der Bau eines dreigeschossigen Verbindungstraktes zwischen dem Nordflügel und dem traditionellen Gebäudeteil "Erfurter Hof"; dadurch wurde der Schmuckhof zur Büßleber Gasse geschlossen. In die Phase des großen Um- und Neubaus fiel des Weiteren die Neugestaltung des Winzerkellers sowie der Hauptküche, die sich im Souterrain befand. Im Erdgeschoss erwuchs aus der Konditorei das Kakteenkaffee.

(8) Bahnhofsvorplatz um 1970

1970 erlangte das Hotel weltweite Bekanntheit durch das erste deutsch-deutsche Gipfeltreffen mit Willy Brandt und Willi Stoph. Tausende begeisterte Erfurter durchbrachen die Polizeiabsperrungen vor dem Hotel und riefen Willy Brandt ans Fenster.

1984 wurde abermals der Hoteleingang modernisiert. 1985 erfolgte die Verwandlung des Palastcafes in das Restaurant "Rendezvous". Dies war die letzte größere bauliche Veränderung vor der Wende.

(9) Empfangshalle 1992

Nach der Deutschen Wiedervereinigung erwarb 1991 die "Deutsche Interhotel GmbH" das Haus von der Treuhand. Sie sanierte Gästezimmer und Nasszellen in Teilen der Hotelanlage. Der Versuch, den Hotelbetrieb wieder auf eine erfolgreiche Basis zu stellen, schlug jedoch fehl. Am 30. Juni 1995 schloss das Hotel seine Pforten und fristete bis zum Sanierungsbeginn 2004/2005 ein jämmerliches Dasein.

 

Bildnachweise:

Fotos 1-3, 7-9: Sammlung Ehepaar Menzel
Fotos 4-6: H. Bissinger, digitalisiert durch Eckhardt Hügel

Ihr Ansprechpartner

Arndt Hobrecker

Projektleiter

Abteilung: Immobilien

LEG Thüringen
Mainzerhofstraße 12
99084 Erfurt

+49 (0)361 5603 262

+49 (0)361 5603 324

E-Mail schreiben